12.11. und 20.11.2020 | Projekt "ICH BIN DABEI": Online-Workshop "Hassrede im Internet: Was ist das und wie geht man damit um?", Berlin, Quarteera e.V.

Am 12. Und 20. November 2020 fanden zwei Online-Workshops mit zum Thema ""Hate Speech" im Internet: Wo endet die Meinungsfreiheit?" in Quarteera e.V. statt. Der erste Teil des Workshops begann mit der Klärung des Begriffs „Hate Speech“. Unser Referent Yurij Krotov erzählte über die Bereiche, wo "Hate Speech" sich finden lässt wie z.B. Religion, Gender, Sprache, Hautfarbe etc. und zeigte die Statistik, nach der im Jahr 2018 78 % der Befragten Zeugen von Hasskommentaren im Internet waren. Am häufigsten werden Vertreter*innen der LGBT-Community, Frauen sowie Migrant*innen, Sinti und Romas, Menschen, deren Hautfarbe andere als weiße ist, zu den Opfern von Hate Speech. Der Referent klassifizierte Hassrede nach der Schwere des Schadens: Hassrede, die das Gesetz nicht bricht, Hassrede, die verboten werden kann, und Hassrede, die verboten werden muss. Die Teilnehmer*innen hörten mehrere Beispiele der harten, mäßigen und milden Hassrede. Die Referentin erklärte, welche typischen Äußerungen von Hate Speech es gibt, wie Verschwörungstheorien, „Wir“-Rhetorik, Verallgemeinerungen, Verbreitung von Stereotypen und Vorurteilen, Aufrufe zur Gewalt.

Auf dem Workshop besprachen die Teilnehmer*innen den Unterschied zwischen Hassrede und eigener Meinung. Die Differenzierungskriterien dabei sind Kontext, Absicht, Inhalt, Wichtigkeit der Nachricht sowie die Wahrscheinlichkeit des Schadens dadurch. Es stellte sich heraus, dass es äußerst schwierig sein kann, „Hate Speech“ zu fassen und zu kategorisieren.

Anschließend erzählte Konstantin Scherstuk, welche Gesetze es gibt, die vor Hate Speech schützen, wie etwa Strafgesetzbuch (§111, 130, 131, 166, 185-187 StGB), Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz «AGG», Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) etc. Er teilte außerdem seine praktische Erfahrung, wie man mit homophoben Äußerungen im Internet arbeitet. Die Teilnehmer*innen man juristisch dagegen vorgehen kann und inwiefern die Anzeigen qualitativ und quantitativ erfolgreich sind.

Der zweite Teil wurde verschiedenen Reaktionen auf „Hate Speech“ im Internet gewidmet. Psychologin und Spezialistin für Stressmanagement Yuliana Kuhn analysierte gemeinsam mit den Teilnehmenden, was die Betroffenen von „Hate Speech“ fühlen. Wir betrachteten „Hate Speech“ als Stress und diskutierten darüber, wie man darauf reagieren und sich vor ihm wehren kann. Besondere Aufmerksamkeit schenkten wir den notwendigen Ressourcen dafür und der Eischätzung eigener Bedürfnisse in den Stresssituationen, aufgrund dessen man die Entscheidungen treffen soll. Yuliana Kuhn erklärte, dass die Reaktionswahl, wie z.B. das Eintreten in die Diskussion bzw. Ignorieren, in unserer Verantwortung liegt und unsere Entscheidung ist. Wir schauten uns verschiedene emotionale Strategien gegen „Hate Speech“ an, die man allein bzw. als ganze Community anwenden kann.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts ""ICH BIN DABEI" - Teilhabe lernen: Förderung des bürgerschaftlichen Engagements unter Russischsprachigen in Deutschland" mit Unterstützung durch das BMI statt.

__________________________________________________________________________________________________________________________________

Logo_BMIBH

Zurück