Interview mit der Koordinatorin des Projektes „Familie und Suchtprävention“ Ekaterina Swarzewitsch

Ekaterina Swarzewitsch: "Familie und Suchtprävention" ist ein gut durchdachtes und vorbereitetes Projekt ".

Unser Dossier: Ekaterina Swarzewitsch ist Mitarbeiterin beim Bundesverband russischsprachiger Eltern. Im Jahr 2002 kam sie aus Russland nach Deutschland. Sie hat Ihren Abschluss als Politikwissenschaftlerin an der Universität zu Köln erworben. Ekaterina ist verheiratet und hat eine kleine Tochter.

ES: Zwar habe ich gute Aussichten durch eine gute Ausbildung, die ich an der Universität zu Köln bekam,aber meine Hauptrolle heute ist es, Mutter zu sein. Ich habe eine kleine Tochter. 

Im August dieses Jahres, nach dem Mutterschaftsurlaub, kehrte ich aktiv zur meiner Arbeit beim Bundesverband russischsprachiger Eltern zurück. Ich kenne meine Kollegen aus dieser Organisation seit langer Zeit. Noch vor Geburt meiner Tochter arbeiteten wir sehr eng an der Umsetzung mehrerer bundesweiten Projekte zusammen.
Ich bin selbst eine Migrantin, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt. Deshalb liegen mir die Themen der Russischsprachigen sehr nah und sind mir daher verständlich. Das ist die größte Motivation für meine Arbeit mit der russischsprachigen Bevölkerung Deutschlands beim Bundesverband.

TH.: Der Politologe ist heute ein sehr nachgefragter Beruf. Ich denke, Du könntest auch auf diesem Weg deine Karriere machen. Wie bist Du zum Projekt "Familie und Suchtprävention" gekommen?

 ES.: Ich interessiere mich für verschiedene soziale Themen, insbesondere was Menschenhilfe angeht. Dabei soll die Hilfe professionell geleistet werden. Wie bin ich zu dem Projekt gekommen? Ich sah, dass es notwendig war. Ich persönlich hatte zu diesem Thema keine konkrete Verbindung und Motivation. Für mich war diese Arbeitsrichtung, sagen wir so, auch völlig neu. Nachdem ich über das Projektthema mehr gelesen habe und verschiedene Voraussetzungen für den Projektaufbau analysiert habe, wurde für mich die Notwendigkeit des Projektes viel deutlicher. Auch meine eigene Rolle in diesem Projekt habe ich sehr deutlich gesehen.

T.H.: Du hast gesagt, Du hattest keine persönliche Motivation für das Projekt. Warum bist Du trotzdem dabei?

ES.: Die Ergebnisse unserer Arbeit konnte ich direkt erkennen, sobald wir mit dem praktischen Teil des Projekts „Familie und Suchtprävention“ anfingen. Wir führten 2 Seminare für Multiplikatoren durch. Danach organisierten wir zusammen mit unseren Teilnehmenden – den Multiplikatoren - Informationsabende vor Ort unmittelbar für Eltern und Angehörige, die zu den Themen Drogen und Abhängigkeit eine Verbindung haben. Ich wiederhole es nochmal, diese Treffen organisieren die von uns ausgebildeten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Man kann schon jetzt mit Sicherheit behaupten, dass sie sehr motivierte und interessierte Menschen sind, die mehrmals ihre nicht gleichgültige Einstellung zu dem Problem gezeigt haben.

Ich möchte betonen, dass eben die persönliche Motivation der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Projektteilnahme war. Und jetzt zeigen unsere Teilnehmenden ihre Kompetenz in dem von ihnen aufgedeckten Thema, finden interessante Präsentationsformen für solch einen komplizierten Stoff.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der lokalen Veranstaltungen sind an dem Thema sehr interessiert. Sie nehmen aufmerksam alle Informationen auf, und anschließend kommen sie ins Gespräch. Ich sehe, dass das Hauptziel des Projekts durch unsere lokalen Veranstaltungen erreicht wird.                                                                           

Dank dieser Infoveranstaltungen erreicht das Thema Drogensucht russischsprachige Bevölkerung in fast allen Ecken Deutschlands. Ich bin mir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.  

Ich halte es nochmal fest, dass unser Projekt gut durchdacht ist. Während seiner Vorbereitung wurden viele Gedanken geäußert, mehrere Diskussionen durchgeführt. Das Projekt erschien nicht aus dem Nichts, sondern basiert auf praktischer Erfahrung.
Was ich sonst noch bei den Veranstaltungen vor Ort bemerkt habe? Die Menschen, die mit ihren Problemen kommen, sind zunächst schüchtern, hoffnungslos, aber im Endeffekt offenbaren sie sich und sprechen über ihre Probleme. Sie bleiben nach der Veranstaltung, um persönlich mit uns zu sprechen und um Rat zu fragen. Wenn wir wenigstens einigen Familien wirklich helfen könnten, wäre das ein gutes Ergebnis unserer Arbeit. Das ist mein größter Wunsch.

TH.: Die Referenten, die den Multiplikatoren ihre Kenntnisse weitergeben, bedeuten auch sehr viel, meiner Meinung nach. Welche Kriterien waren bei der Suche nach diesen Menschen für das Projekt ausschlaggebend?

ES.: Ich wiederhole es nochmal, dass unser Projekt gut durchdacht und vorbereitet ist. Dank unserem Referenten Michail Dubrovskji, zum Beispiel, haben wir Zugang zu verschiedenen bekannten Experten in diesem Bereich. Genau gesagt, das ist nicht die Arbeit, die wir gestern ohne jegliche Erfahrung plötzlich angefangen haben. Wir suchen Fachleute, die ein Teil unseres Netzwerks sind. Einige von ihnen werden unsere Referenten oder weisen auf ihre Kollegen hin, die diese Rolle übernehmen.   

Wir sollten auch nicht vergessen, dass der Bundesverband russischsprachiger Eltern seit fast 8 Jahren an verschiedenen sozialen und bildungsbezogenen Themenbereichen arbeitet. Wir nutzen die Netzwerke des Verbands erfolgreich. Das ist eine enorme Quelle an Informationen und verfügt über eine Menge interessanter Menschen, die wir in irgendeiner Weise zu unserem Projekt heranziehen können.

TH.: Wie würdest Du mit ein paar Wörtern die Multiplikatorengruppe charakterisieren?

ES.: Eine ausgezeichnete Gruppe. Die Motivation der Multiplikatoren hat sich bereits während der Seminare gezeigt. Sie geben wirklich alles bei der Vorbereitung der Informationstreffen. Die Informationsabende bestätigen besonderes deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass wir die richtigen Leute ausgewählt haben, die daran interessiert sind, weiter zu arbeiten, zu helfen, das erworbene Wissen weiterzugeben und weitere Arbeit vor Ort interessant zu gestalten.

Darüber hinaus interessieren sich die Besucher von Informationsabenden auch für das Thema und schlagen vor, nicht aufzuhören bei dem was man schon erreicht hat.  Natürlich unterscheiden sich die Treffen vor Ort voneinander, aber sie verlaufen alle gut. Überall gibt es Nuancen, Erkenntnisse, regionale Besonderheiten. Von großer Bedeutung für die Multiplikatorenarbeit bei einer öffentlichen Organisation ist auch, inwiefern sie in der Region bekannt ist, und wie beliebt der Multiplikator ist.
Natürlich spielen diese Faktoren eine große Rolle. Erfreulich ist, dass die Teilnehmerzahl, mit der wir bei Veranstaltungen vor Ort gerechnet haben, bis jetzt auch erreicht wird. Leute kommen, hören zu, und stellen ihre Fragen.

Am Wichtigsten ist, dass es sich nicht nur um irgendwelche Personen oder sozusagen "Gleichgesinnte" handelt, die gekommen sind, um die Multiplikatoren zu unterstützen. Nein, diese Leute sind an dem Projektthema wirklich interessiert. Sie kommen mit ihren Problemen und Fragen, und verlassen die Veranstaltungen entweder mit einer für sich vorgefertigten Lösung oder einer Antwort auf ihre Frage. Es ist sehr wichtig.

Vor allem möchte ich die Veranstaltung in Trier betonen. Das Informationstreffen wurde von denjenigen besucht, die wirklich Hilfe brauchen. Tetyana Hecker und Ludmilla Müller-Emmert haben die Veranstaltung professionell vorbereitet. Bei der Gestaltung der Räumlichkeiten haben sie thematische Poster und Banner verwendet. Und obwohl der größte Teil der Präsentation von Michail Dubrovskij gehalten wurde, haben unsere beiden Multiplikatorinnen die Thematik des Treffens ernst genommen und den Abend ausgezeichnet organisiert.

Ich möchte auch die Veranstaltung in Dresden bei INTEGRA PLUS e.V erwähnen. Inga Berenhardt und Denis Lupekin haben sich mit dem Thema ausführlich auseinandergesetzt und konnten es gut den Anwesenden vermitteln. Daher war die Diskussion sehr lebhaft.

Ich möchte ebenso das Treffen in Fulda erwähnen. Ich bin sehr froh, dass Rosalia Mchedlidze (Organisation Rodnik e.V.) mit uns im Projekt dabei ist. Von Beruf ist sie Kinderärztin und vermittelte die Informationen aus medizinischer Sicht. Sie erklärte z.B. im Detail, wie sich die Abhängigkeit auf der geistigen und physiologischen Ebene manifestiert.
Ich hoffe, dass das erreichte Tempo für die gesamte Projektdauer beibehalten wird.

TH.: Was erwartest Du vom Projekt, als Leiterin?

ES.: In erster Linie erwarte ich, dass unser Projekt verlängert wird. Das Projekt und die Multiplikatoren werden sich gemeinsam mit uns entwickeln. Wir werden tiefer in das Thema eintauchen, und dabei verschiedene Nuancen lernen.

Nach Ablauf des zweijährigen Projekts, bin ich mir sicher, werden Informationspunkte vor Ort geschaffen, an die sich russischsprachige Menschen wenden können. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Arbeit vor Ort professionell aufgebaut wird und wenn den Menschen echte Hilfe geleistet wird.
Anhand der bereits abgehaltenen Veranstaltungen und der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestellten Fragen können wir beurteilen, dass die russischsprachige Bevölkerung in Deutschland Unterstützung dieser Art benötigt.                                                                                     

Von Tetyana Hecker

Übersetzt von Alevtina Altenhof

Zurück