„Kommunal aktiv“: Von der Idee zur Praxis
In Mainz fand die dritte und abschließende Multiplikator*innenschulung des Projekts „Kommunal aktiv“ statt. Die Teilnehmer*innen, Engagierte aus verschiedenen Regionen Deutschlands, arbeiten an eigenen kommunalpolitischen Projekten.
Wie schon in den vorangegangenen Seminaren arbeitete die Gruppe intensiv an den eigenen kommunalpolitischen Projekten. Der Werkstattcharakter des Programms bietet dafür den Rahmen: Begleitet von erfahrenen Fachleuten aus Kommunalpolitik, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und politischer Kommunikation entwickeln die Teilnehmer*innen ihre Ideen weiter und bringen sie in ihren Städten und Gemeinden ein. Die Bandbreite ist groß: Sie reicht vom mehrsprachigen Stadtrundgang „Gütersloh entdecken“ über ein Training für Jugendliche zum Umgang mit Stress und Krisen in Troisdorf („Miteinander durch schwierige Zeiten“) bis zu „Venture Teens“ in Neuhof, einem Kreativclub, in dem Jugendliche eigene Ideen entwickeln und regelmäßig Veranstaltungen organisieren. Die Vorhaben greifen unterschiedliche, oft komplexe soziale und politische Fragen auf und richten sich an verschiedene Zielgruppen. Von dieser Vielfalt profitiert auch das Gesamtprojekt.
Im dritten Seminar waren die Fortschritte deutlich sichtbar. In den ersten beiden Seminaren hatte die Gruppe im Austausch mit Referent*innen und dem Projektteam viel Input erhalten: zur Formulierung ihrer Ideen, zur Öffentlichkeitsarbeit, zur Bestimmung von Zielgruppen, zur Orientierung in kommunalpolitischen Strukturen und Prozessen sowie zur Planung konkreter nächster Schritte. Inzwischen haben viele Kontakte zu Behörden geknüpft und bereiten Anträge und Probeveranstaltungen vor. Dabei kommt es darauf an, das eigene Vorgehen gut zu durchdenken und gegenüber kommunalpolitischen Akteur*innen den passenden Zeitpunkt und den richtigen Ton zu finden.
Mit der Praxis rücken neue Fragen in den Vordergrund. Die bisherigen Erfahrungen haben konzeptionelle Lücken offengelegt, und vieles entscheidet sich nun im Detail: bei rechtlichen Aspekten und Sicherheitskonzepten, bei der Kommunikation und der Ansprache von Zielgruppen, beim finanziellen Rahmen. Entsprechend hoch ist der individuelle Beratungsbedarf. Offen ist für viele auch, wie sich eigene Projekte in bestehenden Regelstrukturen verankern lassen. Ein zentrales Thema bleibt die Finanzierung. Ihr widmete sich gleich zum Auftakt ein Online-Workshop mit Max Gozman zu Geldquellen für kleine und mittlere Projekte und zu den Bedingungen öffentlicher Förderung.
Viele Schwierigkeiten erleben die Teilnehmer*innen im Kontakt mit Behörden: Rückmeldungen bleiben aus, Wartezeiten sind lang, Anfragen werden schleppend bearbeitet. Ausdauer und Geschick verlangen auch die ersten Gespräche und Treffen, ebenso die Planung von Veranstaltungen und ihre öffentlichkeitswirksame Präsentation in der Kommune.
Deshalb steht im Mittelpunkt des Programms der Prozess. Ob und wann ein Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab, die die Engagierten nicht alle selbst in der Hand haben. Entscheidend ist, was sie dabei lernen und wie aktiv sie Neues ausprobieren, denn daraus wächst Erfahrung im kommunalpolitischen Engagement.
Begleitet wurde das Seminar von Dr. Dmitri Stratievski, Politologe, Historiker und ehemaliger Bezirksverordneter in Berlin-Steglitz-Zehlendorf. Seine Aufgabe war es, den aktuellen Stand der Projekte kritisch einzuordnen und den Teilnehmer*innen konkrete, praxistaugliche Empfehlungen zur Verbesserung mitzugeben. Sein Blick von außen machte Lücken sichtbar, sei es in der Konzeption, in der digitalen Darstellung oder in der Umsetzung.
Raum für Reflexion boten die Fokusgruppe der wissenschaftlichen Begleitung und der Workshop „Unsere ideale Kommune“. In dem Workshop trugen die Teilnehmer*innen aus eigener Erfahrung zusammen, was eine Kommune für Zugewanderte zugänglich und effizient macht. In der Fokusgruppe ging es darum, woher die Motivation kommt, wo die Teilnehmer*innen selbst ihre größten Ressourcen für politische Teilhabe sehen und wo sie auf Hindernisse stoßen. Solche Gespräche helfen, eigene Strategien zu entwickeln, voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und Wissen weiterzugeben.
Das Seminar hat erneut gezeigt: An Engagement und am Interesse, vor Ort etwas zu bewegen, fehlt es nicht. Damit daraus Projekte werden, die sich umsetzen lassen und Bestand haben, braucht es jedoch passgenaue Unterstützung, Zeit und Gelegenheit, Dinge auszuprobieren, und nicht zuletzt Zuarbeit und Entgegenkommen aus der Kommunalpolitik selbst.
Das Projekt „Kommunal aktiv“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Integrationspolitische Maßnahmen“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus gefördert.