Projekte für die Kommune. Tipps von Diana Liberova
Was ist ein kommunales Projekt, wer kann eine solche Idee einbringen und braucht man dafür unbedingt eine große Organisation? Darüber haben wir bei einem Seminar des Projekts „Kommunal aktiv“ mit Diana Liberova, Kommunalpolitikerin aus Nürnberg, gesprochen. Es entstand ein Gespräch darüber, wie die Idee einer einzelnen Person oder einer kleinen Initiative zu einem Projekt für eine ganze Stadt werden kann.
Ein kommunales Projekt ist ein Projekt, das der Kommune am Ende etwas gibt, das ihr bislang fehlt. Etwas, das sie besser macht, Teil des Lebens der Menschen und der Gesellschaft wird – und vielleicht sogar zu einem Markenzeichen dieser Kommune.
Ein Projekt muss nicht groß angelegt sein. Es sollte einen Anfang und ein Ende haben und in sich abgeschlossen sein. Genau das macht es zu einem Projekt – und nicht die Zahl der Menschen, die daran beteiligt sind.
Welche Projekte brauchen Kommunen?
Ich halte Projekte für sehr wichtig, die sich mit der demokratischen Teilhabe von Zugewanderten beschäftigen: mit dem Verständnis dafür, welche demokratischen Prozesse es gibt, wie sie funktionieren und wie Organisationen in Deutschland arbeiten. Das ist für Kommunen ein wichtiges Thema, das mir auch im Rahmen meiner politischen Tätigkeit immer wieder begegnet ist.
Natürlich sind Integrationsprojekte wichtig, aber das liegt auf der Hand. Ebenso wichtig sind Projekte, die ganz allgemein die Stadt verbessern. Mir ist nicht egal, wie meine Stadt aussieht. Alles, was aus dem Wunsch entsteht, die eigene Stadt besser zu machen, liegt auch im Interesse der Kommune.
Man hat eine Projektidee für die Kommune – was nun?
Ich denke, der erste Schritt besteht darin, die Kommune darüber zu informieren, dass es diese Projektidee gibt. Man kann mit aktiven Kommunalpolitiker*innen sprechen oder sich an die Verwaltung wenden, die für das entsprechende Thema zuständig ist. Ich glaube, dort wird man für solche Informationen dankbar sein.
Der Kontakt zu Politiker*innen ist hier viel unkomplizierter, als Zugewanderte es sich wahrscheinlich vorstellen, wenn sie gerade erst angekommen sind. Ich habe oft erlebt, dass man irgendwo auf der Straße steht und mit einer Bundestagsabgeordneten raucht und dann jemand mit Migrationsgeschichte vorbeikommt und fragt: „Ist das wirklich eine Bundestagsabgeordnete? Kann man einfach so mit ihr hier stehen und rauchen?“
Ja, genau so funktioniert es hier. Man muss weder Geld bezahlen noch lange versuchen, eine Audienz zu bekommen. Das alles ist relativ unkompliziert und möglich. Sich bewusst zu machen, wie gering diese Distanz tatsächlich ist, ist meiner Ansicht nach ein sehr wichtiger Schritt für die demokratische Teilhabe migrantischer Communitys.
„Organisationen von Migrant*innen setzen häufig kommunale Projekte um, vergessen aber, darüber zu sprechen. Projekte zur Verbesserung der Stadt, der Infrastruktur oder soziale Projekte werden sehr oft ganz selbstverständlich umgesetzt. Ich denke, es wäre sehr wichtig, darüber zu berichten und solche Projekte in die bereits bestehenden städtischen Strukturen einzubinden.“ Diana Liberova
Wie entstehen Ideen?
Ich denke, sehr oft formulieren Communitys ihre Bedürfnisse selbst. Wenn sie damit auf die Verwaltung zugehen, stimmen diese Bedürfnisse möglicherweise nicht mit dem überein, was die Verwaltung selbst für wichtig hält. Wenn aber ein Dialog beginnt, lässt sich herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt und welche Ideen der Kommune gerade von Organisationen von Migrant*innen umgesetzt werden können, weil sie einen guten Zugang zu ihren Communitys haben.
Drei Tipps für Engagierte
Habt keine Angst vor euren Ideen, sprecht mit euren Kommunalpolitiker*innen und stellt eure Ideen bei jeder Gelegenheit vor.
Das Projekt „Kommunal aktiv“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Integrationspolitische Maßnahmen“ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus gefördert.